Vietnam – Ende und Anfang

Vietnam – Ende und Anfang

Überwältigend, fordernd, freundlich, chaotisch, kreativ-naiv und extrem motiviert. Eine Woche mit 35 Professoren, Rektoren von Universitäten aus Vietnam, Malysia, Thailand und den Philipienen zum Thema „Future.Studies“ ist nun zu Ende. Ein erster Eindruck…

Auch wenn die Erlebnisse noch lange nicht verarbeitet sind, bleibt doch ein erster Eindruck der für mich den zentralen Unterschied zwischen Europa und hier, Süd-Ost-Asien am besten beschreibt: Den vertrauensvoll Anfang entgegen sehen, entgegen gehen…

Während wir in Europa am Ende einer Epoche angekommen zu sein scheinen und mit immer mehr Anstrengung versuchen zu retten, was wir nicht aufgeben wollen, entfaltet sich hier in Vietnam (noch bin ich auf einer Insel nahe Kambotscha) eine völlig andere Energie: Aufbruch!

Obwohl die TeilnehmerInnen aus unterschiedlichsten Nationen hinslichtlich Staatsform, politischen System und erst recht Religion entstammten, vereinte sie der Wille die Chancen des Neuen zu ergreifen, einer inspirierenden Freude und Zuversicht der ich in Europa in den letzten Jahren kaum begegnet bin.

Die ausdifferenzierte europäsche oder „westliche“ Gesellschaft und Wirtschaft hier, voller Bedrohung aus unterschiedlichsten Richtungen wie dem seit langem fast stagnierendem Wachstum, ohne Perspektive wohin man eigentlich will, außer dass es wieder wie früher wird bzw. bleibt. Müde, satt und hoffnungslos, man kennt und akzeptiert die Grenzen.

Und hier, der spürbare, vielleicht auch naive Boom, der Aufbruch der Gesellschaften auf so vielen Ebenen. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Als Europäer wundert man sich, müde distanziert und abgeklärt, über vieles was hier nicht geregelt ist, über den fast kindlich scheinenden Glauben an die Veränderbarkeit der Welt und die Rolle die sich einzelne einfach zumuten.

Für mich ist das ein Ausflug in ein Lebensgefühl der Veränderung. Ein Kontakt zu jener Energie die entsteht, wenn sich das Neue Bahn bricht, wenn wir nach einer Phase des Endes und Sterbens alter Sicherheiten und Systemideen etwas Neues spürbar, ja greifbar wird. Auch wenn hier auf dieser Insel auch die brutalen Seiten des Wachstums unverblümt sichtbar sind. Denn riesige Bagger reißen Löcher in den Urwald, um Patz für „Pseudo-Disneyworlds“, konzipiert für ein zahlungskräftiges erlebnishungriges Publikum aus der satten Welt, entstehen zu lassen. Und wenn hier vielleicht Fehler wiederholt werden und rund um die Baustellen slumartige Behausungen das Idyl unterbrechen, so sieht man dort lachende Gesichter. Man baut die Zukunft, ist Zukunft. Und auch wenn die Arbeit über den Tag sicherlich hart war, ein freundlicher Gruß vom einem Motorroller zum anderen ist immer drin und überrascht mich, den höflich-höfisch distanzieren Europäer, der dahinter zunächst ein Zurechtweisung in der Art „des geht oba gar net, des diafns ned“ oder eine potenzielle Touristenanmache vermutet.

Doch es ist nur ein geteiltes Lachen geteilte Lebendigkeit so wie das allgegenwärtige Hupen: Hier komme ich, hallo, lass uns diese Kreuzung gemeinsam aktiv „tun“, aushandeln! Und unglaublich es funktioniert, ich kann es auch schon ein bisschen. Man lebt hier im Konakt mit anderen (Lebenswichtig im ur-chaotischen Straßenverkehr) und mit sich (eindrucksvoll während der Sensing Aufgaben während des 5tägingen Workshops).

Es ist gut eine so andere gesellschaftlich wie individuell Verfasstheit mitzuerleben, ja während des Workshops Teil davon zu sein. Es macht Lust das sterbende Europa daran zu erinnern, dass Veränderung immer mit Metamorphose und damit einem Ende einer alten Form einher geht. Keine Angst. Der neue ANFANG quilt, wie hier im tropischen Jungle das Leben, aus allen Ritzen und will das Neue endlich verwirklichen!

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