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Eine Milliarde Euro Trockenheit – und kein Bild von morgen

Der Sommer 2026 hat etwas getan, was Strategiepapiere selten schaffen: Er hat eine Annahme sichtbar gemacht. Über alle Länder hinweg massive Niederschlagsdefizite, in manchen Regionen seit Mitte Juni über 75 Prozent weniger Regen als im Zehnjahresmittel, 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg, 42 Hitzetage in Wien. Die Hagelversicherung bezifferte den Dürreschaden in der Landwirtschaft mit Stand 10. August auf rund eine Milliarde Euro – so viel wie in den zehn Jahren davor zusammen.

Das Bild, das mir davon geblieben ist, stammt nicht aus einer Statistik. Es sind die Tankwagen, die diesen Sommer Wasser auf Almen hinauffahren mussten. Eine Alpkuh braucht 70 bis 80 Liter am Tag. Also organisiert man Logistik – bergauf, ins Hochgebirge, für Wasser, das dort immer war. Und genau hier liegt der Punkt, um den es mir geht.

Wir reagieren hervorragend. Das ist das Problem.

Wir haben Dürreversicherungen. Wir haben Maßnahmenpakete, Liquiditätshilfen, Risikovorsorge. Das ist alles nicht falsch – es ist bewundernswert kompetent. Es ist die Höchstform einer Denkweise, die eine Krise als Störung eines Normalzustands behandelt, den es jedoch nicht mehr gibt.

Wir versichern die Zukunft, statt sie zu denken. Wir machen das Alte effizienter, robuster, krisenfester – und nennen es Transformation. Was fehlt, ist nicht Management. Es fehlt ein Bild davon, wohin.

Ein Gespräch mit Ernst Demmel, das vor der Dürre geführt wurde – und nun, Im August 2026 anders klingt

Vor einiger Zeit hat mich Ernst Demmel für Thema Zukunft zum Interview gebeten. Damals stand keine Rekorddürre in den Nachrichten. Wir haben über etwas gesprochen, das lange als weiche Frage galt: über Utopien in Unternehmen, über Werte, die zur Falle werden, und über Führung, die vorangeht, ohne zu wissen, wer mitkommt.

Wenn ich das Gespräch heute lese, wirkt es weniger wie eine Zeitdiagnose und mehr wie ein Vorgriff.

Worum es darin geht:

  • Warum Effizienz zum Wert der Bewahrung geworden ist. Sie optimiert das Bestehende – und immunisiert es damit gegen die Frage, ob es noch das Richtige ist.
  • Warum Utopie nicht Vision ist. Keine Zielformulierung, sondern eine Experimentierfläche. Denkbar wird dort, was man sich sonst nicht erlauben würde. „Es ist ja nur eine Utopie.“ Genau darin liegt die Macht.
  • Warum Werte in Leitbildern oft kosmetisch bleiben – solange das Weltbild dahinter unangetastet bleibt.
  • Warum echte Führung einsam ist. Wer vorangeht, geht zuerst allein. Das ist kein Heldenpathos, sondern eine Kostenrechnung, die kaum jemand offen macht.
  • Wo die Grenze zwischen visionärer Führung und Demagogie verläuft. Beide zerstören. Nur einer arbeitet an einer neuen Erzählung.
  • Und die Frage, die im D-A-CH-Raum wehtut: Innovationskraft haben wir. Aber wir vertrauen dem Bewährten – und das ist gesellschaftlich noch immer salonfähig.

Danke, Ernst

Mein Dank geht an Ernst Demmel, der dieses Gespräch geführt und ihm den Raum gegeben hat, den solche Fragen brauchen. Er hat nicht nach fertigen Antworten gesucht, sondern nachgefragt, wo es unbequem wurde – auch dort, wo es für mich als Interviewten leichter gewesen wäre, allgemein zu bleiben. Das ist selten. Und es ist der eigentliche Grund, warum dieses Interview heute noch trägt.

Lesen lohnt sich – besonders in diesem Sommer

Die Dürre ist kein Wetterereignis, das man abwartet. Sie ist ein Test darauf, ob wir in der Lage sind, unsere Kategorien zu verlassen, bevor die Wirklichkeit es für uns tut.

Die Frage am Ende des Interviews ist dieselbe, die ich heute in Vorstandsetagen stelle: Wir haben Szenarien für den Schaden. Haben wir eines für das Gelingen?

→ Das vollständige Interview lesen

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